Rezension: Kissing

 

K I S S I N G

Katrin Bongard

Emmy ist wie Jane Austens Emma eine leidenschaftliche Kupplerin. Ihr neustes Opfer - ihr bester Freund Julian. Der steht auf Jungs und als sie den attraktiven Noah entdeckt, glaubt sie den perfekten Kandidaten gefunden zu haben. Doch Noah interessiert sich viel mehr für Mädchen und ganz besonders für Emmy. Zwischen ihnen beginnt eine leidenschaftliche Affäre. Doch sowohl Emmy, als auch Noah verfolgen Schatten aus der Vergangenheit, die ihr Liebesglück gefährden.


 
Mein zweites Buch von Miss Bongard und ich hatte nach "Lass uns fliegen" hohe Erwartungen, die leider enttäuscht wurden. Natürlich betrachte ich es dennoch als großartige Weiterentwicklung, da die Kissing-Reihe vor über zwei Jahren veröffentlicht wurde, somit zu den früheren Werken gehört. Enttäuscht war ich trotzdem und ich habe mehrmals mit dem Gedanken gespielt, abzubrechen. Ich verstehe eigentlich auch die ganzen 5-Sterne-Bewertungen nicht ganz. Vielleicht habe ich einfach zu hohe Ansprüche.

Aber beginnen wir mit dem Positiven: Ich liebe das Cover!! Es sieht einfach toll aus, alles passt stimmig zueinander und wenn man die Geschichte gelesen hat, kann man jede abgebildete Person einem Charakter zuordnen. Auch die Geschichte an sich hat unheimlich viel Potential, was in meinen Augen einfach nur nicht ausgeschöpft wurde. 

Und das war es dann auch mit dem Positiven. 

Die Geschichte erzählt von Emmy, die eine Scheinbeziehung mit ihrem schwulen besten Freund Julian führt, um sich vor anderen Kerlen zu retten. Auch Julian hat von diesem Deal eine Menge, wenn man bedenkt, dass er sich bisher nicht geoutet hat. Nur Emmy weiß darüber Bescheid. Doch trifft es Julian auf einer Party wie ein Blitz, als er auf Noah trifft - oder viel mehr, Noah auf Emmy trifft. Die wiederrum sieht in Noah den perfekten Partner für Julian und beginnt gemeinsam mit ihrer besten Freundin die Mission "Verkuppel Julian mit Noah" - was mächtig in die Hose geht, als sie im Laufe der Zeit merkt, dass ihr Noah nicht ganz so egal ist, wie es scheint und umgekehrt...


Die Geschichte ist natürlich abzusehen - klar ist Noah nicht schwul und dazu noch in Emmy verliebt. Kann man ja im Klappentext schon nachlesen. Nur stimmt der nicht so ganz mit dem Endergebnis überein: wo steckt die Leidenschaft und Tiefe des Liebesglücks? Aber gut... das schiebe ich dem Schreibstil zu.

Der Schreibstil! Der hat mich teilweise aggressiv gemacht. Und das passiert nicht oft. Ich bin ein relativ harmonischer Mensch mit einer sehr hohen Toleranzschwelle. Aber der Schreibstil!!! Muah. Die Dialoge - kann man sie überhaupt als solche beschreiben? - waren grauenvoll. Erstens folgte nach jedem direkten Satz erstmal ein Absatz voller Hintergrundinformationen, was den "Dialog" zerstückelte und jedesmal wieder unterbrach. Zweitens gingen die Dialoge selten länger als zwei Seiten (vor allem wenn man die eben beschriebenen Absätze mal wegdenkt). Drittens waren die Dialoge völlig oberflächlich, ohne Tiefe. Alles in allem fühlte es sich an, als wären die Dialoge so gewollt. Sie sind beim Schreiben nicht unbeabsichtigt entstanden sondern geplant, gezielt gesetzt worden. Wisst ihr was ich meine? 

Dialoge sind ein perfektes Mittel, um Charaktere kennenzulernen. Die Sprechweise, Wortwahl, der "Ton", die versteckten Botschaften - man erreicht mit Dialogen so viel, wenn man sie sinnvoll einsetzt. Doch hier wirkten sie oft fehl am Platz. Ich kam darüber nicht an die Charaktere heran. Sie blieben mir verschlossen, was ich so absolut schade fand. Über Noah weiß ich jetzt, wo ich fertig bin, immer noch so gut wie nichts, außer das offensichtliche, was in manchen Absätzen verraten wurde. Doch eine Verbindung bestand nie.

Die Charaktere sind mein nächster Kritikpunkt, vor allem Hauptprotagonistin Emmy. Ich kam nicht an sie heran, ich mochte sie kaum. Ein typischer Fall von "Oh ich bin verliebt in einen Kerl und werfe deswegen gleichmal alle meine Prinzipien über Bord!". Warum? Die Freundschaft zu Julian, die zu Beginn des Buches so hochheilig behandelt wurde, wird völlig nichtig, als sie sich auf Noah einlässt, ohne Julian darüber in Kenntnis zu setzen. Sie hintergeht ihn, verrät die Freundschaft. Wo bleibt die Ehrlichkeit? Ich sehe nur Feigheit, mehr nicht. Das passt mir nicht, ich verabscheue solches Verhalten auch in meinem privaten Leben.

Die Beziehung zwischen Noah und Emmy verstehe ich auch nicht ganz. Ich konnte keine Tiefe spüren. Ihre Gespräche verliefen so oberflächlich, dass ich mich frage, wie sie überhaupt eine emotionale Bindung zueinander aufbauen konnten. Es gab Blicke, ja. Es gab sogar intime Szenen, aber selbst die wurden so schnell abgehandelt, dass ich mich fragte, wieso sie überhaupt geschrieben wurden. Ich hab mich so gehetzt gefühlt, von einer Szene zur Nächsten. Eine bloße Anreihung von alltäglichen Situationen - Cut - nächstes Erlebnis - Cut - und so weiter. Ich kam damit einfach nicht klar.

Alles in allem war ich sehr enttäuscht. Ich habe hinter diesem Cover so viel mehr erwartet. Ich habe viele Textstellen nur überflogen und bin mir sicher, dass ich nichts weltbewegendes verpasst habe. Auch die Fortsetzung werde ich mir nicht kaufen, das ist es mir persönlich einfach nicht wert. Vielleicht bin ich überkritisch, vielleicht war ich auch nicht offen für die Geschichte oder nicht in Stimmung für die Charaktere - aber mehr als zwei Punkte kann ich einfach nicht geben und die sind für das Cover und die Idee. Schade.


WERTUNG
2 von 5 Punkten

 
Kissing | Katrin Bongard | 28.01.2014 | Kindle

 


Kommentare:

  1. Ich finde die Cover ihrer Bücher auch immer wahnsinnig toll! Gelesen habe ich bisher noch nichts von der Autorin, aber ich hatte mal in eine Leseprobe reingeschaut und da gefiel mit der Stil schon nicht so...das klingt jetzt auch nicht so berauschend xD

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    1. Ich kenne bisher nur das Buch "Lass uns fliegen" und das fand ich sehr schön... daher waren meine Ansprüche dementsprechend hoch, aber gut. Ich werde beim nächsten Buch, was vielleicht irgendwann veröffentlicht wird, mein endgültiges Urteil fällen :D

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